Mehr als 1800 Kastanienbäume in Murg

 

Passend zur Jahreszeit lud das Kulturforum Brandluft, Glarus Nord, zu einer Führung durch den Kastanienwald in Murg ein. Die anwesenden Kastanieninteressierten erlebten unter der äusserst kompetenten Leitung von Förster Josef Kühne aus Murg einen spannenden, abwechslungsreichen Nachmittag.

 

 

Der älteste Glarner bleibt zum Glück nicht an der Kantonsgrenze stehen, dem Föhn sei Dank, dass die gut zweistündige Führung in Murg trockenen Fusses stattfinden konnte.

Herzlich wurden alle Anwesenden von Josef Kühne auf dem Murger Dorfplatz begrüsst. Und schon hier zeigt sich neben Wasser und Schiff die Kastanie als grosse begehbare Skulptur als eines der Wahrzeichen von Murg.

Die Murgbachschlucht

Weiter ging es bergauf zur nahe gelegenen Murgbachschlucht. Ein imposantes Bild und Naturerlebnis, das sich einem da bietet. Wassermassen, die sich über und zwischen dem roten Verrucano-Gestein einen Weg suchen, eingebettet im saftigen Grün unzähliger Pflanzen. Die Schlucht ist steil und eng. Sie wurde nach der letzten Eiszeit vor 15000 Jahren vom Murgbach geschaffen.

Die Kastanienbäume

Der Weg führte nun durch den Wald, immer wieder vorbei an Kastanien. Josef Kühne erzählte, dass die Römer die Kastanie nach Murg, das am Römerweg liegt, gebracht hatten,  wegen der Esskastanien und auch wegen des äusserst robusten und wetterfesten Holzes. Lange Zeit waren die Kastanien ein bedeutendes Nahrungsmittel. Auch in Murg wurde z.B. im 19. Jahrhundert Kastanienfrevel geahndet.  Die Bäume wurden jeweils im Herbst versteigert, und so wurde bestimmt, wem die begehrte Ernte zustand. In den Sechzigerjahren wurde die Fruchtproduktion vernachlässigt. Bäume in Feldern wurden oft gefällt.

Kastanienrindenkrebs

Ein Problem, das man in Murg 1989 das erste Mal fetstellte, ist der Kastanienrindenkrebs. Es entstehen Wucherungen am Stamm und an Ästen, die in der Folge absterben. Die Blätter werden braun. Früher wurden die befallenen Bäume gefällt. Heute kann der aggressive Pilz oft durch die Behandlung mit einem Virus geschwächt oder zerstört werden. Auch werden kranken Bäumen die befallenen Teile abgeschnitten. So konnten viele Bäume geheilt und gerettet werden.

Verein «Pro Kastanie Murg»

Um das Dorf zu beleben und der Kastanie wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wurde im Jahre 2002 der Verein «Pro Kastanie Murg» gegründet. 2002 wurde auch die «Selva»         ( Fruchthain) angelegt. Seit 2004 gibt es den Kastanienweg. Dieser wird bereichert durch zwölf Holzskulpturen des Bildhauers Thomas Jud. Weiter wurde ein schöner,

grosszügiger Spielplatz mit Feuerstelle gebaut. Alle Mitglieder des Vereins arbeiten ehrenamtlich, sei es an Arbeitstagen, der Murger Chilbi oder bei anderen Anlässen. Josef Kühne amtet als Präsident des Vereins. Mit viel Engagement und Herzblut gibt er sein grosses Wissen der Zuhörerschaft weiter. Wussten Sie, dass Kastanie und Rosskastanie nicht verwandt sind, dass in Murg der grösste Kastanienwald in der Schweiz nördlich der Alpen steht, dass es in Murg über 1800 Kastanienbäume gibt, dass das Kastanienholz das dauerhafteste einheimische Holz ist?... Um noch einige der Informationen weiterzugeben.

Vielfältige Marroni

Im letzten Teil der Führung wurden wir ins Kastanienstübli geführt. Vreni Kühne hatte mit Hilfe weiterer guter Feen alles schön hergerichtet. Getränke wurden serviert und köstlicher Marronikuchen zum Probieren aufgetischt. Die verschiedensten Marroniprodukte wurden vorgestellt und zum Kauf angeboten. Josef Kühne erklärte, dass Kastanienprodukte einen grossen Aufschwung erlebten, sie bieten einen gesunden basischen Ausgleich zu unserer oft übersäuerten Nahrung. Schon Hildegard von Bingen hat doch vor vielen vielen Jahren von der heilenden Wirkung der Kastanie berichtet.

Von Vermicelles , Kastanienbier, Likör über Pasta, getrocknete Kastanien, eingefüllte Kastanien,  Mehl bis hin zum Rasierwasser aus Kastanienblättern oder Kugelschreibern aus Kastanienholz wurde alles geboten.

Mit frisch gestärktem Geist und Körper verabschiedete man sich mit grossem Dank und grossem Applaus von den Murgern und liess im Seerestaurant Brauerei in Mühlehorn den Nachmittag bei herrlich gebratenen Marroni (vom Murger Marronibrater) und köstlichen Beilagen aus der Brauiküche ausklingen. Niemanden schien es zu stören, dass es nun zu regnen begann…