Viel Interessantes zum geschichtsträchtigen Oberurnen

Petrus war der stattlichen Gruppe Menschen gut gesinnt, die sich am vergangenen Samstagmorgen in Oberurnen versammelt hatte. Das Kulturforum Brandluft hatte zusammen mit dem Verkehrsverein zu einem Dorfrundgang eingeladen.

 

Eing. Unter der kundigen Führung von Steve Nann erfuhren die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer viel Interessantes über Oberurnen. Den ersten Halt machte man bei der Nothelferkapelle, die diesen Namen erst trägt, seit sie mit dem Relief, welches die Nothelfer zeigt, geschmückt ist. Ursprünglich wurde sie als Dreifaltigkeitskapelle gebaut.

 

Weiter führte der Rundgang der alten Strasse entlang durch den alten Dorfteil Oberurnens. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, dass dort in früheren Zeiten reger Handelsverkehr herrschte. Führten doch alle grossen Handelswege da vorbei. Auch die damalige Oberurner Bevölkerung zog ihren Nutzen daraus, indem fleissig einheimischer Tee gesammelt, getrocknet und verkauft wurde. Wichtigster Bestandteil dafür war die Hirschzunge.

 

Weiter erwähnte Steve Nann, dass im Kalchbühl Kalk gebrannt wurde, welcher durch die nahe Lage der Linth gut weitertransportiert werden konnte.

 

Ein Höhepunkt des Rundgangs war der Aufstieg zur Vorburg.

 

Auf unterhaltsame Art und Weise wurde den Zuhörenden vor Ort die grosse Bedeutung Oberurnens zur Zeit der Habsburger nähergebracht. War doch die Vorburg, deren Bauarbeiten ab 1100 begannen, einst Habsburgischer Verwaltungssitz des Niederen Amts, um nur eine der vielen Informationen zu erwähnen. Nach dem geschichtlichen Teil zur Vorburg wurde die herrliche Aussicht von dieser Stelle genossen.

 

Steve Nann erklärte von der Burg aus ebenfalls die heutige Verkehrs-erschliessung Oberurnens durch Strasse und Eisenbahn.

 

Wieder im Dorfzentrum angekommen, wurde ein letzter Halt vor der 1867 gebauten Kirche gemacht.

 

Nachdem Sinn und Geist zur vollsten Zufriedenheit auf dem Dorfrundgang genährt wurden, stand nun beim nahegelegen Brunnen ein Apéro bereit, der für  das leibliche Wohl sorgte. Spendiert wurde er von der Dorfkommission Oberurnen. Der Verkehrsverein hatte zu diesem Anlass und zum Apéro alle Neuzuzüger und Neuzuzügerinnen eingeladen. Delegationen der Oberurner Vereine nutzten diese Gelegenheit, um den Anwesenden ihre Aktivitäten näherzubringen. So wurde der Kreis geschlossen. Nach Steve Nanns spannenden und in gewohnter Manier kompetenten Exkursen in das historische Oberurnen war man bei gemütlichem Zusammensein wieder in der Gegenwart angekommen.

 


Weltpremiere mit kulturellem Leckerbissen

Wenn der allseits bekannte Fridli Osterhazy, alias Fridolin Hauser, seines Zeichens passionierter Forscher und Ergründer der Geschichte des Heiligen Fridolin, ruft, kommt das Publikum meistens in hellen Scharen.

 

Warum der immer noch agile und initiative alt Gemeindepräsident von Näfels ausgerechnet im Vorfeld der Präsentation der Fridolins-Offizien «Historia sancti Fridolini» in Bezug auf den Zuschaueraufmarsch sich eher skeptisch äusserte, weiss nur er selbst. «Ich führe den Anlass durch, auch dann, wenn nur eine einzige Person daran teilnimmt», versprach er dem Berichterstatter kurz vor dem Anlass. Umso freudig überraschter war er, den Bohlensaal im Tolderhaus bis auf den letzten Platz vorzufinden. Seine Freude kam bei der Begrüssung der beiden Referenten Dr. Mechthild Pörnbacher von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Professor David Hiley, Musikwissenschaftler an der Universität Regensburg zum Ausdruck.

Gelungener Prolog zum Fridolinstag


Im ersten Teil der Vortragsreihe referierte Dr. Pörnbacher über die erste Lebensbeschreibung des Sankt Fridli, geschrieben von Balther von Säckingen. Dieser war etwa um 970 nach Christus Höriger des Klosters Säckingen und zugleich Mönch. Referentin Dr. Pörnbacher hatte die Lebensbeschreibung Sankt Fridlis in ihrer Dissertation untersucht und in einem über 350-seitigen Buch im Jahr 1997 für die Öffentlichkeit publiziert. Als zweiter Referent hatte Musikwissenschaftler und Dozent Professor Hiley im Landesarchiv Karlsruhe und im Klosterarchiv Einsiedeln dazu Gesänge und Notenpartituren entdeckt, die nun ein erstes Mal veröffentlicht wurden. In einer kurzen PowerPoint-Präsentation und hochinteressanten Referaten stellten Dr. Pörnbacher und Professor Hiley diese entdeckten Offizien vor.

Weltpremiere im Tolderhaus


Andächtig lauschte das Publikum im Anschluss auf die wunderbaren Stimmen der Schola Gregoriana der Universität Zürich und erlebten dank den gefundenen Partituren in Karlsruhe und Einsiedeln musikalischen Kostproben in altgregorianischem Gesangsstil zugleich eine Weltpremiere. Mit dieser Ergänzung zum Leben und Werk unseres Landespatrons Sankt Fridolin in Wort, Bild und Gesang und der Präsentation der Fridolins-Offizien unter dem Motto «Historia sancti Fridolini» ist den Veranstaltern der absolut perfekte Prolog für den Fridolins-Tag am 6. März gelungen.


Lars Lehnert: Leben on the rocks - 14 Monate im ewigen Eis der Antarktis


Gang durchs Dorf Bilten

mit a. Werkführer Hans Winteler

 

Bilten ist das nördlichste Dorf der Gemeinde Glarus Glarus Nord und eines der weniger bekannten

in der Gemeinde. Es besteht aus mehreren Dorfkernen, die auf Schuttkegeln von Bergbächen

gebaut wurden, um die Häuser vor den Überschwemmungen in der Linthebene zu schützen.

Ursprünglich ein reines Bauerndorf, begann der wirtschaftliche Aufschwung nach dem zweiten

Weltkrieg. Der Autobahnanschluss 1974 förderte die Entwicklung zusätzlich. Mittlerweile ist das

Dorf ein wichtiger Industriestandort. Bilten gehörte bis zur Aufnahme ins Land Glarus im Jahr 1415 zum Gaster.

 


Unverwechselbar glarnerisch

Jung und Alt drängte sich am Mittwoch voller Erwartung in den dicht bestuhlten Rittersaal im Freulerpalast, um dem Vortrag von Berti Cattaneo von der Glarner Trachtenvereinigung zu lauschen. Das Schwyzerörgeliquartett Mürtschengruess empfing Besucherinnen und Besucher mit fröhlichen Klängen. Weil das Museum für den Vortrag mit dem Kulturforum Brandluft und seiner Präsidentin Gret Menzi zusammenarbeitete, erhielt der Anlass einen beschwingten musikalischen Rahmen. Das Referat war Teil des Begleitprogrammes der Sonderausstellung «Käppi, Kutte, Krinoline – Kleidung als Statement», die am 16. April eröffnet worden war. In der Ausstellung beleuchtet Kuratorin Susanne Grieder denn auch Kleidung als Mittel, Aussagen über seine Identität zu machen.

Berti Cattaneo stellte die überraschende Vielfalt der Trachten vor, gibt es doch nur zwei Trachtengebiete: Das Grosstal und das Sernftal. Anschaulich wurde der Vortrag, weil elf Trachtenleute die Trachten vorführten. Mit Schwung und oft einem Schmunzeln lüfteten sie Hüte, zeigten Accessoires und liessen auch einmal einen Unterrock – oder genauer seinen Saum – sehen.

Viel Handarbeit war an den Trachten zu bewundern, Hexenstiche an den Schürzen oder gehäkelte Schultertücher beeindruckten durch ihre Feinheit und raffinierte Wirkung. Ein grosser Kontrast zur globalisierten Allerwelts- und Wegwerfmode von heute. Die Vielfalt der Trachten verblüffte, aber selbst für das ungeübte Auge waren dank Cattaneos Ausführungen auch die Gemeinsamkeiten ersichtlich, so ähneln sich die Schnitte oder Details wie Blusensäume oder die Faltenjupes. Vielfalt und Einheit der Trachten verbinden sich zu einem Statement, das Glarner unverwechselbar macht.


«Frauen sind keine Engel» – eine Hommage an die Liebe

Sandra Neumann alias La Floretteuse lässt sich in Näfels in die Seele blicken – ganz zur Freude des Publikums

VON MARLÈNE SIEBER

 

Der vom Kulturforum Brandluft organisierteAnlass lockte am Freitagabend eingrosses Publikum in die Burgmaschinenach Näfels. Und erfreulich viele Männerwollten wissen, was es mit der Liebe,den Lastern und der Leidenschaft derFrauen auf sich hat. Letztlich handeltees sich um unverblümte Bekenntnissean die Liebe zwischen Mann und Frau.

La Floretteuse nennt sich die Künstlerin Sandra Neumann. La Flore– die Blume – auf ihrem Arm ist keine echte Tätowierung. Sandra Neumannzeigt sich vor und hinter der Bühne als natürliche, hübsche und intelligente junge Frau. Auf der Bühne dann temporeich, keck, mit einem Mix aus Sexappeal und geistreichem Witz, von dem die Frauen träumen mögen. Die ausgebildete Sängerin hat für den Anlass «Frauen sind keine Engel» ein «herrliches» Programm mit ihrem Können im Chanson und ihrer Liebe zum Kabarett gestaltet.

 

DEN MANN NIMMT SIE gleich in der ersten Minute auf die Schippe: Den professionellen Pianisten Frank Eberle aus Stuttgart, welcher sie musikalisch begleitet, stellt sie als ihren schwäbischen Sekundanten vor, welcher immer die Töne suchen muss. Und schon ist sie beim Thema Mann. Wie Adam im Paradies wünscht sich der Mann von heute, die Frauen in ihrer Unfassbarkeit zu verstehen. Doch La Floretteuse bringt es auf den Punkt: Frauensind nicht da, um verstanden zu werden. Ein Ehemann zu haben, ist für jede Frau ein harter Job. Und La Floretteuse versteht nicht, warum Männerviel Geld für ein Busenlifting ihrer Frau bezahlen und diesen dann in ein Kleid von der Stange versteckt wissen wollen. So bezeichnet sie denn auch den Ehemann, welcher die Nähe der eigenen Frau verschmäht als «BettVegetarier». La Floretteuse wechselt fliessend vom Chanson zum Soul, wenn sie besingt, wieviel Prosecco und lizenzierte Drogen es braucht, um die Männerschön zu finden. Und ist die Scheinwelt erreicht, sind die Männer halt alle trügerisch schön, wie Sterne am Himmel. Mit solchen Pointen gestaltet La Floretteuse hundert erquickende und verzaubernde Minuten.

 

IHRE HALTUNG IST IMMER SEXY, die Stimme verschwörerisch und der Blick gutdosiert zum faszinierten männlichen Publikum. Pointe reiht sich an Pointe, erheitert und löst Lachsalven aus. Bei aller geistreichen Keckheit – La Floretteuse verliert sich in ihren Hieben und Sticheleien nie ins Frivole. Im Gegenteil: Sie zieht Frauen und Männer gleichsam in anhaltenden Bann.

 

ZUGABEN FOLGEN, und man hätte dem Pianisten und der Künstlerin – welche gut die Hälfte der Texte in ihrer Schreibstube durch ihre eigene Feder fliessen lässt – noch gerne länger zugehört. La Floretteuse, in der Person von Sandra Neumann aus Zürich, ist ein Begriff, den man(n) sich merken muss.

 

 


Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Tansania

Die Kirchgemeinde Kerenzen und das Kulturforum Brandluft freuen sich, Sie zu einem Vortrag

 

mit Sonya Elmer Dettelbacher einzuladen.

 

Sonya Elmer arbeitet seit vielen Jahren für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit

 

des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA). Nach einem

 

Einsatz in Indien ist sie seit 4 Jahren in Tansania tätig. Zusammen mit ihrer Familie lebt

 

sie in Dar Es Salaam. Zur Zeit ist sie auf Heimaturlaub und freut sich, ihre interessante Arbeit

 

einem breiteren Publikum vorzustellen.

 

Freitag, 26. Februar 2016

19.30 Uhr

Restaurant Mühle, Mühlehorn

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Numina sunt odiosa oder Übernämä sind ä häigglä Chäib!

Menschen pflegen sich, ihre Mitmenschen und ihre Umwelt zu benennen. In geschlossenen

 

Gruppen kreieren sie ihre eigene Sprache. Besonders bei der Namensgebung sind sie kreativ.

 

Pfadfinder geben sich Pfadinamen, Studenten einen Vulgo, Schüler erfinden für ihre Lehrer

 

„Übernamen“. Als unsere Dörfern noch geschlossen-überschaubar waren, in denen man

 

sich kannte, entstanden Bei-, Zu-, Spot- oder Übernamen, die man geflissentlich nur in Abwesenheit

 

des Gemeinten verwendet.

 

Fridolin Hauser (Fridli Osterhazy) hat in seiner Heimatgemeinde Näfels während vier Jahrzehnten

 

über 1200 Übernamen gesammelt. Er untersuchte sie systematisch nach Herkunft,

 

Bedeutung und Funktion. Bereits in den achtziger Jahre ist dazu eine Radiosendung in der

 

„Schnabelweid“ ausgestrahlt worden. Fridli Osterhazy hat sich bislang geweigert, seine

 

Sammlung in Buchform herauszugeben, da es immer noch „Übernamensträger“ gibt, die sich

 

gekränkt fühlen. Übernamen sind gesprochene Sprache und sollen auch so verwendet werden.

 

Beispiele aus der Näfelser Übernahmengalerie sollen im Referat präsentiert werden.

 

Im Anschluss ist die Zuhörerschaft eingeladen, Eigene Erfahrungen in die Diskussion einzubringen.

 

 

 

Alle, auch nicht Näfleser sind zu diesem unterhaltsamen Abend herzlich eingeladen.

 


Sabina Altermatt – Eine Autorin sorgt für Nervenkitzel

Marlène Sieber. Bevor die Autorin das Buch aufgeschlagen hatte, kamen die Zuhörer in den Genuss von Jagdklängen. Die Jagdhornbläsergruppe Glarnerland begeisterte gleich zu Beginn mehrstimmig mit ihren Hörnern. Die Art und Weise wie Sabina Altermatt nach ihrem Buch „Jagdgeflüster“ greift, wirkt geheimnisvoll. Fast etwas listig, in ihrem Blick liegt grosse Wachsamkeit und ihre rote Haarpracht weckt beim Zuhörer Präsenz.

 

Den Krimi „Jagdgeflüster“ hat die Autorin dem am 19. Februar 2013 in Graubünden abgeschossenen Bär M13 gewidmet. Dieser spielt nach ihren Angaben nur eine untergeordnete Rolle. Vielleicht auch nicht. Denn einen Toten gibt es im Buch schon nach wenigen Seiten. Im Jagdgebiet hängt an einem Baum kopfüber der Gemeindepräsident. Hat sein Tod damit zu tun, dass er  für die Abschussfreigabe von M13 verantwortlich war? Denn wie in der Realität hat dieser Entschluss auch im Krimi „Jagdgeflüster“ Emotionen ausgelöst.

 

Sabina Altermatt gibt genau so viel preis, dass die Besucher nicht zu viel an Inhalt vermittelt bekommen und gespannt auf das Buch werden. Und die Autorin liest nicht einfach vor – sie erzählt lebendig und farbig. Sie beschreibt steiles und unwegsames Gelände im Walde so, dass die Zuhörer meinen, dies unter den Füssen zu spüren. Die formulierte Stille des Waldes, unterbrochen durch einzelne Windzüge und das Knacken von Holz wird mit jedem Satz unheimlicher und verleiht eine gesunde Portion Nervenkitzel.

Sabine Altermatt schreibt Krimis, Romane, Kolumnen und Hörspiele. Ihr neustes Buch ist der historische Roman „Anna Catrina – Tochter von Ilanz“. Gelesen in Filzbach am 22. Januar 2016 hat sie jedoch aus ihrem Krimi „Jagdgeflüster“ – musikalisch umrahmt von der Jagdhornbläsergruppe Glarnerland.


Und sie kamen in Scharen und sangen himmlische Lieder

Von: Marlène Sieber

Eingeladen zum «Offenen Singen von Advents- und Weihnachtsliedern» hat die Kantorei Niederurnen am vergangenen Donnerstag. Ein grosses Bedürfnis – das zeigten die Besucher, indem sie keine Stuhlreihe frei liessen.

Bilder vom «Offenen Singen» in Niederurnen. (Bilder: M.sieber)

Der musikalische Leiter David Kobelt weiss, wie man Menschen zum Singen bringen kann. Mit einem Mix aus altbekannten Weihnachtsliedern und kurzen, schnell einprägsamen Melodien aus einer eher fremden Melodienschublade hat der Kantor ein wunderschönes, einstündiges Programm zusammengestellt. Die Adventszeit stimmt uns auf Weihnachten ein. Auf die Verkündung einer frohen Botschaft – und so ist auch die Liederwahl vom besinnlichen bis zum fröhlichen Kinderlied entstanden. Sie hat für eine Stunde Menschen miteinander verbunden, Nähe geschaffen und auch ein bisschen Wehmut an die Kindheit hervorgerufen.

Sämtliche Lieder begleitet, sowie konzertante Zwischeneinlagen gespielt, haben Doris Christen (Flöten), Carmen Sulser (Violine), Deborah Schmid (Violoncello) und David Kobelt (Klavier). Dafür ernteten sie wohlverdienten Applaus. Ein grosses Dankeschön durften auch die Chormitglieder entgegennehmen: Sie verwöhnten die Besucher anschliessend mit Tee und Gebäck. So liess sich gut verweilen bei Gesprächen und beim Bewundern der einmalig gestalteten Krippenfiguren, welche entlang der Kirchenwände aufgestellt sind und Geschichten zu erzählen wissen.


Erinnerung an ein legendäres Schneckengericht

Von:Aldo Lombardi

Vernissage der Schrift über das legendäre Schneckenessen im ehemaligen Kapuzinerkloster in Näfels. Ergänzt werden die Erinnerungen an diesen Anlass durch eine Klosterchronik der Franziskaner von 1986–2004.

Das Hochfest Maria Empfängnis am 8. Dezember wird in der katholischen Kirche seit vielen Jahrhunderten gefeiert. Anzunehmen ist, dass es auch im Kapuzinerkloster in Näfels seit seiner Eröffnung im Jahre 1679 begangen worden ist. Nicht genau bekannt ist jedoch, seit wann die Kapuziner an diesem Tag die Näfelser Behörden als Dank zu einem Essen eingeladen haben und seit wann dabei Schnecken aus dem Klostergarten aufgetischt wurden. Auf jeden Fall wurde dieses Schneckenessen über viele Jahrzehnte hinweg zu einem legendären Anlass, und viele Behördenmitglieder sollen nur wegen diesem Essen ins Kloster gekommen sein. Obwohl Schnecken eigentlich eine typische Armenspeise waren, passend für die Minderbrüder. Die Schnecken, die für dieses Mahl im Schneckengarten extra gezüchtet wurden, servierten die Mönche an einer feinen Sauce. Im Jahre 1986 haben die Franziskaner das Kloster Näfels übernommen, und sie führten und pflegen am 8. Dezember das Behördenessen weiter – allerdings nicht mehr mit dem legendären Schneckengericht.

Gut besuchte Vernissage

Dieses ehemalige Schneckenessen war für den umtriebigen Fridolin Hauser alias Fridli Osterhazy Anlass genug, in Akten, Dokumenten und Schriften zu stöbern und rund um den Anlass und das Kloster eine Schrift, ergänzt durch zahlreiche alte Aufnahmen, zu verfassen. Zur Vernissage des Büchleins unter dem Titel «Schnägge-n-Ässä im Chlooschter» durfte Hauser am vergangenen Dienstagvormittag, genau am Fest Maria Empfängnis, im Bohlensaal des Tolderhauses zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Kirche sowie eine grosse Zuhörerschaft willkommen heissen. Der Autor der Schrift machte anhand von zahlreichen Bildern einen Streifzug durch die Geschichte des Klosters Näfels und natürlich über das Schneckenessen im Besonderen.

Ergänzt wird die Schrift durch eine Klosterchronik von 1986–2004, verfasst von Bruder Fidelis Schorer, dem ehemaligen Guardian des Klosters von 1997–2006. Der Franziskaner sprach in einer kurzen Rede von seiner grossen Dankbarkeit, die ihn erfülle. Dankbar vor allem dafür, dass sich die Franziskaner 1986 entschlossen hatten, das Kapuzinerkloster Näfels zu übernehmen und dankbar für die sehr warme und freundliche Aufnahmen durch Bevölkerung und Behörden.



Johann Melchior Kubli würdevoll geehrt

180 Jahre nach seinem Tod erhielt der Staatsmann Johann Melchior Kubli in der Kirche Mühlehorn eine Ehrung, welche ihn zu Lebzeiten sicher unendlich gefreut hätte. Mit viel erhabener Musik, einem eindringlichen Nachruf und einer Gedenktafel, welche eigens für diese Feier angefertigt wurde.



Die Präsidentin des Kulturforums Brandluft, Gret Menzi, durfte am Abend des 1. Advent eine grosse Gästeschar in der evangelischen Kirche Mühlehorn begrüssen. Hier an diesem kraftvollen Ort am Walensee wurde Melchior Kubli, geboren am  16. September 1750 in Netstal,   nach seinem Tod am 3. Januar 1835 auf dem Friedhof beigesetzt. Dies nachdem er seinen Lebensabend im Kublihaus in Quinten verbracht hatte. Nicht etwa, weil seine Familie ihn unbedingt im Glarnerland begraben wissen wollte – Mühlehorn war der einzige Ort am Walensee mit einer reformierten Kirche und Friedhof.

Werken und Wirken

Anmutig erzählt Cecile Lieberherr, wie sie während 25 Jahren im Leben von Kubli recherchiert hat. Bei ihren Nachforschungen hat sich ihr Bild vom rebellierenden Glarner gewaltig verändert. Wie, das machte der Lebenslauf deutlich, den Nicole Lieberherr in der Biographie " Johann Melchior Kubli – Fürsprecher im Hexenhandel um Anna Göldi“,  als Autorin festgehalten hat. Da ist vom 15-jährigen Netstaler die Rede, welcher nach dem frühen Tod seines Vaters in dessen Geschäftsfussstapfen treten musste. Auch politisch hatte er die Kublidynastie früh vertreten müssen. Wurde gelobt und gefeiert, bis ihn die Glarner „verdammten“, da er als Gerichtsschreiber die Akte „Anna Göldi“ Journalisten zukommen liess. In der Folge war er aktiv auf nationaler Ebene und vor allem im Kanton St.Gallen tätig. Er hatte die Hände im Spiel als die Untertanengebiete Toggenburg und Glarus in die Eigenständigkeit befreit wurden – dies in seiner Weitsichtigkeit auf den Krieg, welcher in Frankreich ausgebrochen war. 1798 verhandelte er mit den Franzosen „Unterkünfte für die Soldaten gegen Verzicht auf Krieg in der Ostschweiz“. Aber auch zum einfachen Menschen hatte er viel Sorge getragen: Er unterstütze die Armengenössigen mit Rat und Tat und setzte sich für die Pädagogik Pestalozzis ein. Für die Quintener hat er zeitlebens viel getan: Sie vor Armut bewahrt, die Landschaft bewirtschaftet und gleich auch noch die Landesgrenze für Quinten gesetzt: 1 Stunde Fussmarsch in jede Richtung. Das Kublihaus in Quinten ist mit seiner Besenbeiz durch die Betreuung von Lieberherr's inzwischen zu einem interessanten Ausflugsziel geworden.

Musik geographisch abgestimmt

Musikalisch eröffnet wurde die Feier mit Paganini’s „Cantabile“ - brillant gespielt von der Violinistin Scarlette Stocker und David Kobelt an der Orgel. Überhaupt haben diese zwei Musiker der ganzen Feier das Tüpfelchen aufs „i“ gesetzt. Nicht zuletzt deshalb, weil David Kobelt seinen Meister in der Registrierung der Orgel stellte, die dem Zuhörer das Gefühl eines aufspielenden Orchesters vermittelte. Der musikalische Bogen spannte sich über die nach Wasser tönende Komposition „Au Lac du Walenstadt“ von LISZT zu mo-zärtlichen Klarinettenklänge interpretiert durch die Violine bis hin zur beschwingten „Appenzeller Suite“, welche gleich noch die Zugabe der Polka „Uf em Heubüel“ einforderte.

Im Anschluss ans Biografische erfolgt die Zeremonie der Enthüllung der Gedenktafel: Zu diesem Akt führten erst Worte des Dankes von Gemeinderat Fridolin Elmer an das Kulturforum Brandluft – vorweg an die Initiantin dieser Feier, Gret Menzi. Anschliessend richtete er den Dank an die Frauen Lieberherr, welche mutig diese Kubli-Geschichten aufgearbeitet haben und schlussendlich der Dank an Steve Nann, welcher die Gedenktafel für den Friedhof gestaltet hat.


Gedenkfeier für Johann Melchior Kubli

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu dieser Feier.

Sie findet statt am Sonntag, 29. November um 17.00 Uhr in der Kirche Mühlehorn.

Von: Marlène Sieber

In Mühlehorn wird am 29. November 2015 im Rahmen einer Gedenkfeier an den grossen Staatsmann - den Glarner Johann Melchior Kubli – erinnert. Er war Gerichtsschreiber im Hexenprozess um Anna Göldi, Repräsentant in Basel und Vermittler im „Gossauerhandel“, Senator und Präsident des Senates der Helvetischen Republik, Grossrat und Regierungsrat in St. Gallen und ein wichtiger Förderer der Reformpädagogik von Pestalozzi.

 

Ein gradliniger, unerschrockener Glarner

Geboren wurde Johann Melchior Kubli am 16. September 1750 als Sohn eines Holzhändlers und Landschreibers in Netstal. Früh schlüpfte Kubli in die Fussstapfen seines Vaters. In seiner Funktion als Gerichtsschreiber hätten ihn wohl viele Glarner gerne gebodigt, als er im Jahr 1782 zum Entsetzen der glarnerischen Behörden die Geheimakten zum Prozess und der Verurteilung von Anna Göldi veröffentlichte und damit sorgte, dass das Unrecht publik wurde. An einer Landsgemeinde schlug er vor, Glarner Untertanengebiete in die Eigenständigkeit zu entlassen. Im Gegenzug konnte Kubli die Untertanengebiete zu Verbündeten der Glarner gegen die Bedrohung durch Frankreich gewinnen. Die Kontakte zu Frankreich wurden geschäftlich, wie auch politisch in der Kubli-Dynastie immer gepflegt. Kubli erreichte schweizweit Ansehen und Respekt. In der Folge übte er seine politischen und wirtschaftlichen Tätigkeiten in verschiedenen Kantonen aus.

 

Persönlichkeiten gestalten die Gedenkfeier

Johann Melchior Kubli verstarb am 3. Januar 1835 im „Kublihaus“ in Quinten, wo er sich seinen letzten Lebensabschnitt mit Anzucht von Feigenbäumen, dem Rebbau und der Aufzucht von Merinoschafen gestaltete. Beigesetzt wurde er auf dem reformierten Friedhof Mühlehorn.

Cecile Lieberherr hat während einem Vierteljahrhundert über Johann Melchior Kubli recherchiert und ihre Tochter Nicole Lieberherr hat eine Biografie über den Helden geschrieben. Sie werden diese Gedenkfeier persönlich gestalten. Ebenfalls anwesend wird Ulrike Nitschke sein. Die TV-Moderatorin wird aus ihrer Reportage zum „Kublihaus“ in Quinten Ausschnitte zeigen.

Eine Gedenktafel, welche das Ressort Kultur der Gemeinde Glarus Nord eigens für diesen Anlass hat anfertigen lassen, wird präsentiert und künftig auf dem Friedhof in Mühlehorn an den grossen Staatsmann erinnern.

Die Feier wird von David Kobelt an der Orgel musikalisch umrahmt.

 

 

 


 

Gedenkfeier für Louis Menar

Donnerstag, 19. November 2015

um 18.30 Uhr im Bohlensaal Tolderhaus, Näfels

 


„Die Schwäne, die ich rief“  oder THE END … is open

Scharfsinnig, feinfühlig und präzis beobachtet waren die Geschichten, die Koni Fehr alias Peter Wehrli und Gabi Heussi über das Leben (…und den Tod) an Ihrer Lesung präsentierten.


nee.  Gemeinsam an diesen oft mit einem Augenzwinkern verfassten Geschichten ist die präzise Beobachtung der Gesellschaft und der nachdenkliche  Eindruck, den sie beim Zuhörer, respektive beim Leser hinterlassen. „Die ich rief, die Schwäne…“ die Geschichte über den Berner Büezer Marco, der immer wieder auf sein erfolgreichstes Musikstück reduziert wird, lässt die Anwesenden erahnen, wie schwer ein Erfolg auf einem Menschen lasten kann.

Einfach nur wunderbar hört sich da die Liebeserklärung  an das kleine, feine Skigebiet Schilt an, oder vielleicht doch nicht? Werden wir da nicht zwischen den Zeilen aufgefordert, mal „fremd“ zu gehen in ein anderes Skigebiet beispielsweise, etwas Bekanntes zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren? Genau solche berührenden Geschichten regen uns zum Nachdenken an und lassen uns nicht so schnell wieder los.

Spannend, vielfältig, neu und doch irgendwie vertraut kamen die kurzen Kolumnen bei den zahlreich erschienenen Anwesenden an. So wie der Artikel über den ZS und die Zwipf beim Lilö – ein herrlicher Einblick ins Militärdeutsch. Übersetzt heisst Zwipf Zwischenverpflegung, mit Lilö ist das Lichterlöschen gemeint und ein ZS ist ... na ja, das kennen wir wohl alle.

Untermalt wurden die Geschichten mit Songs, gesungen und mit Gitarre begleitet von Peter Wehrli  - „eigentlich bin ich ja ein Rock n‘ Roller…“   und kräftig unterstützt von den Anwesenden. 

Organisiert wurde der unterhaltsame, wunderschön entspannende und doch zum Nachdenken anregende Abend vom Kulturforum Brandluft Glarus Nord.



P. Othmar Landolt, Burundi, auf Heimurlaub – Eindrücklicher Abend im Tolderhaus

Von: F.O.

Seit über vier Jahrzehnten wirkt P. Othmar Landolt, in Burundi. Der in Näfels aufgewachsene Schönstatt-Missionar wirkt dort seit 1974 und leistet Aufbau- und Seelsorgerarbeit.


Diesen Herbst besuchten ihn Josef und Beatrice Fischli in Bujumbura (Bild). Da P. Othmar kürzlich für ein paar Tage Heimurlaub geniesst, ergriff Beatrice die Initiative für einen Begegnungsabend im Tolderhaus. Im voll besetzten Bohlensaal führte sie zuerst in Wort und Bild in die Situation Afrikas, insbesondere des Kleinstaates Burundi, ein. Dann interviewte sie P. Othmar über seine Herkunft, Berufung und sein sehr erfolgreiches Wirken. Die Menschen schöpfen Kraft aus dem Glauben für den Alltag im politisch instabilen Burundi. Täglich besuchen 200 Menschen die Frühmesse, und an Maria Himmelfahrt fanden sich sogar über 10 000 (sic!) Gottesdienstbesucher ein. Beatrice verstand es, mit P.Othmar den Abend zu einem mitreissenden Erlebnis zu gestalten. Der Abend fand im Rahmen des Kulturforums Brandluft statt und klang mit dem burundischen «Nagasaga! Chänd meh züänis!» und «Amahora! Der Friede sei mit Euch!» aus.



 

Niederurnen - ein Spaziergang quer durchs Dorf

Ursprünglich floss die Linth von der Linthbrücke Mollis schräg durchs Tal zum Horn (aussprachlich vom lat. Ora stammend) nach Oberurnen. Der Teil oberhalb des Horns wurde Oberurnen genannt, jener unterhalb (nieder) des Horns Niederurnen.

Die Korrektion der Linth war auch der Startschuss für die Industrialisierung von Niederurnen. 1834 gründeten Enderlin und Jenny die erste Spinnerei (Vorläufer der Spinnerei Jenny AG). Dem Anliegen der Fabrikanten, die Meister und Arbeiter im Betrieb zu halten, ist es zu verdanken, dass im Dorf die Meisterhäuser und die langen Häuser gebaut wurden. Wie Steve Nann kurzweilig zu erzählen wusste, kam der Patron mit einer Bildvorlage eines Musterhauses zum Architekten und bat ihn, ihm solche Häuser zu bauen.

Mit der Korrektion der Linth erhielt Niederurnen auch das Land beim Fabrikweiher. Die Eidgenossenschaft schenkte das ehemalige Flussbett der Gemeinde Niederurnen, welche die Bedingungen zur Übernahme dieses alten Bachbettes stellte. Der bereits von der Linth verdichtete Boden schuf den idealen Grund für den nunmehr idyllischen Fabrikweiher.

Die Stelle, an der der Dorfbach mit einem Damm korrigiert wurde, ist als Dämmli bekannt und war früher die Zielvorgabe der Schützen, die vom Trocknungsturm aus darauf schiessen durften.

Der Architekt des Plakathäuschens neben dem Gemeindehaus und des Jakobsblicks war derselbe, so Steve Nann. Beide Bauten verfügen auch über den gleichen Grundriss. Der Name Jakobsblick kommt daher, weil dieser Punkt an einem Abzweiger des Jakobsweges, vom Walensee durchs Niederurner Täli nach Einsiedeln liegt. Der Jakobsblick kann durchaus als architektonisches Bijou bezeichnet werden und wurde als Versammlungs- und Singsaal gebaut. 

Das Schlössli in Niederurnen war höchstwahrscheinlich ein Herrensitz. Die Steine der Ruine wurden für den Bau des Weinberges benutzt, der vermutlich während des 30jährigen Krieges 1640 angelegt wurde, als Kämpfer aus dem Elsass im Gebiet weilten. Beim Schlössli, mit Blick über das zuvor begangene Dorf und die Linthebene schloss diese interessante und kurzweilige Dorfführung mit einem feinen Apèro und einem Glas Burgwegler.

Eingeladen hatte das Kulturforum Brandluft, initiiert und mit viel Herzblut organisiert wurde dieser spannende Spaziergang durch Niederurnen von Vorstandsmitglied Marlène Sieber.

Für das Alfred-Wegener-Institut verbrachte Lars Lehnert diese Zeit auf der

 Forschungsstation Neumayer III, davon neun Monate in absoluter Isolation.

 Die Herausforderungen des Alltags, seine Arbeit, sowie die faszinierende

 Umgebung in der Natur samt Tierwelt hat er beeindruckenden Bildern

festgehalten.